Wir suchen Antworten auf die
Herausforderungen des Lebens.

Ob besser lernen, das Klima schützen oder gesund altern – in der Leibniz-Gemeinschaft erforschen wir Themen, die der Gesellschaft nutzen.

Frag Leibniz

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Diese Forschungsfragen haben Sie uns bereits gestellt:

Was ist Wissenschaft?

Zunächst: Wissenschaft ist Freude und Leiden und Leidenschaft – 24/7.

Dann: Wir  verstehen unter Wissenschaft all jene vielfältigen Disziplinen, deren Ziel es ist, Erkenntnisse über Bereiche der Natur sowie der geistigen, kulturellen, politischen, technischen und sozialen Lebenswelt auf systematisch strukturierte und methodisch kontrollierte Weise zu gewinnen und verstehbar zu machen. In der Wissenschaftstheorie wird dies häufig mit einer Auflistung von Kriterien wissenschaftlicher Rationalität auf den Punkt gebracht: Wissenschaftliches Arbeiten bzw. die Ergebnisse von Forschung müssen den Prinzipen der Konsistenz, der Kohärenz, der Überprüfbarkeit, der intersubjektiven Verständlichkeit und Objektivität genügen.

Ein wichtiger Aspekt dessen, was die Ergebnisse von wissenschaftlichem Arbeiten ausmacht, wird dabei aber noch nicht hinreichend deutlich: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler streben danach, belegbare Tatsachen zu entdecken. Sie tun dies aber gerade nicht im Anspruch „endgültige Wahrheiten“ zu produzieren, sondern ein faktenbasiertes Wissen, das nur solange gültig ist, bis es selbst wieder durch neue Erkenntnisse und Beweise revidiert wird.

Ich denke aber, dass die Antwort auf die Frage „Was ist Wissenschaft?“ noch etwas anderes enthalten muss: Es gehört zu den Eigentümlichkeiten – auch der wissenschaftlichen Erkenntnis – dass man Antworten nicht nur aus der Theorie, sondern auch aus dem Blick auf die Praxis gewinnt. Albert Einstein, den ich hier nicht als theoretischen Physiker, sondern als Wissenschafts-Praktiker zitiere, hat von sich gesagt: „Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.“[1] Dieser Verweis auf die wichtige Rolle von wissenschaftlicher Neugier, von Forschermut im Sinne der Bereitschaft, über Althergebrachtes hinauszudenken und Disziplinengrenzen zu überschreiten, genau wie Lust auf Streit und Kooperation mit anderen Forschenden und anderen Disziplinen halte ich für wesentlich, um zu erfassen, was Wissenschaft ausmacht.

Die Antwort stammt von Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft.

[1] Albert Einstein in einem Brief an Carl Seelig vom 11. März 1952 (ethz.ch) als Antwort auf Seeligs Frage: „Ist Ihre wissenschaftliche Begabung eine Erbschaft der väterlichen und die musikalische der mütterlichen Linie?“. In: Ulrich Weinzierl: Carl Seelig. Schriftsteller, Wien 1982, S. 135.

Wie finanziert sich die Leipzig Gemeinschaft außer der 50 Prozent von Bund und Länder?

Die Institute der Leibniz-Gemeinschaft werden institutionell gemeinsam von Bund und Ländern gefördert. In der Regel teilen sich Bund und Länder diese Förderung im Verhältnis 50:50. Im Jahr 2017 betrug die institutionelle Förderung für alle damals 91 Leibniz-Institute etwa 1,1 Milliarden Euro. Dazu kamen zusätzliche Einnahmen durch Drittmittel (z.B. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, europäischen Förderprogrammen, Ministerien, Stiftungen oder aus Wirtschaftskooperationen), aus Lizenzen, Eintrittsgeldern der Museen und sonstige Erträge, u.a. Mittel für Baumaßnahmen in Höhe von 79,9 Mio. EUR, was zu einem Gesamtbudget von 1,93 Milliarden Euro im Jahr 2017 führte.

Die Antwort stammt von Bettina Böhm, Generalsekretärin der Leibniz-Gemeinschaft.

Welches sind die optimalsten Lernbedingungen für Kinder, Erwachsene und Senioren? Wie kann unser Gehirn den INPUT auch behalten, ohne ihn wieder zu vergessen? Auch bei komplexen, faktenreichen Zusammenhängen! Was können wir praktisch tun, um besser zu lernen?

Welche Lernbedingungen optimal sind, lässt sich nicht pauschal beantworten, weil viele verschiedene Faktoren den Lernerfolg beeinflussen. Beispielsweise spielt die Aufmerksamkeit häufig eine wichtige Rolle. In unseren Studien beobachten wir jedoch, dass sich die Kontrolle über die Aufmerksamkeit im Verlauf der Kindheit entwickelt. So kann eine für ein Grundschulkind geeignete Lernumgebung für ein Kindergartenkind möglicherweise zu ablenkend sein und es lernt weniger erfolgreich.

Es wird angenommen, dass es nicht eine einzige Art des Lernens gibt, die für alle Gelegenheiten geeignet ist. Je nachdem, ob wir mathematische Zusammenhänge oder Cello spielen lernen, sind verschiedene Hirn-Netzwerke beteiligt. Unterschiedliche Inhalte werden von teilweise unterschiedlichen Gehirnarealen verarbeitet. Im prozeduralen Gedächtnis ist gespeichert wie Fahrradfahren funktioniert, während im episodischen Gedächtnis Erinnerungen an den letzten Urlaub gespeichert sind. Auch spielt es eine Rolle, ob Lernen explizit oder implizit erfolgt, ob wir also absichtsvoll Spanischvokabeln für den nächsten Urlaub lernen oder gar nicht bemerken, dass wir gerade etwas lernen. Jeder neue Gedächtnisinhalt führt zu kleinen Veränderungen im Gehirn, beispielsweise können sich neue Synapsen, das sind Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, bilden. Um das Gelernte zu behalten, ist es förderlich, wenn es mit vorhandenem Wissen verknüpft und reaktiviert, also geübt oder angewendet wird.

Neben der Anwendung neu erworbenen Wissens hat die Forschung zu Lernen und Gedächtnis viele weitere Einflussfaktoren für erfolgreiches Lernen identifiziert. Lernpausen gehören zum Lernen, und das Gehirn benötigt ausreichend Schlaf, da sich im Schlaf tagsüber Gelerntes festigen kann. Emotionen und Motivation sind ebenfalls wesentliche Faktoren, die den Lernerfolg beeinflussen können. Studien haben gezeigt, dass Belohnung zu einer Ausschüttung chemischer Stoffe im Gehirn führt (Dopamin), die sich förderlich auf Gedächtnisprozesse auswirken können, und die beste Belohnung und Lernverstärkung ist die aktive Anwendung des Wissens, um ein interessantes Problem zu lösen.

Die Antwort stammt von Nicole Wetzel, Leiterin der CBBS-Forschergruppe Neurokognitive Entwicklung am Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg, Center for Behavioral Brain Sciences Magdeburg (LIN).

 

Ist Intelligenz wie Bildung (generell) erlernbar? Und wie drückt sich Intelligenz aus, wieso erkenne ich das geistige Niveau eines Gegenübers so einfach und schnell? Oder ist das Einbildung?

Zur Beantwortung dieser Frage ist zunächst zu definieren, was Intelligenz ist. Darüber wird seit mehr als 100 Jahren diskutiert. Der Psychologe E. Boring kommentierte 1923 die damalige Diskussion, was Intelligenz sei, eher pragmatisch: „Intelligenz ist das, was Intelligenztests messen“. Es wurden und werden verschiedene Konstrukte der Intelligenz diskutiert, die unterschiedliche Faktoren einbeziehen, wie beispielsweise schlussfolgerndes Denken und Problemlösung. Einige einflussreiche Intelligenzmodelle umfassen u.a. Bereiche wie allgemeines Wissen oder sprachbezogene Bereiche, die durch (pädagogische) Förderung direkt beeinflusst werden können.
Möglicherweise nutzen Sie solche sprach- oder wissensbezogenen Hinweise für Ihre subjektive Einschätzung der Intelligenz Ihres Gegenübers? Tatsächlich gibt es einige Studien, die versucht haben, Merkmale wie das Gesicht, die Attraktivität oder die Komplexität verfasster Texte, die Menschen möglicherweise zu einer subjektiven Einschätzung der Intelligenz heranziehen, zu untersuchen. Hier besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf.

Genetische Einflüsse tragen zu Unterschieden in der Intelligenz zwischen Menschen einer Gruppe bei, sie machen aber nur einen Teil der Variabilität aus. Eine wichtige Rolle spielt auch die Umwelt. Eine förderliche Umgebung sorgt dafür, dass sich das angeborene Potenzial entfalten kann. Hier können Bildungsmaßnahmen tatsächlich ansetzen, wie Studien zeigen.

Die Antwort stammt von Nicole Wetzel, Leiterin der CBBS-Forschergruppe Neurokognitive Entwicklung am Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg, Center for Behavioral Brain Sciences Magdeburg (LIN).

Wie sähe eine Gesellschaft aus, die weniger ungleich in Bezug auf Bildung ist? D.h., wenn das Bildungsniveau der Bevölkerung relativ gleich wäre?

Die ökonomische Forschung zur Ungleichheit hat inzwischen viel Evidenz dafür erbracht, dass die Wirtschaft von Ländern, deren Gesellschaft von größerer Ungleichheit geprägt ist, langsamer wächst als in Ländern, wo es eine geringere Ungleichheit gibt. Dafür führt die Literatur verschiedene Gründe an (Dabla-Norris et al., 2015, Ostry et al., 2014, van Treeck, 2018). Einen sehr wichtigen Faktor spielt dabei die Bildung: Wenn ärmere Individuen sich keine gute Bildung leisten können, wird im unteren Bereich der Einkommensverteilung zu wenig in Humankapital investiert, was ein geringeres Wachstum der volkswirtschaftlichen Produktivität zur Folge hat. Dieses Phänomen kann vor allem in Entwicklungsländern beobachtet werden, wo es für den ärmeren Teil der Gesellschaft besonders schwer ist, Zugang zum Bildungssystem zu erlangen.

Im Vergleich zu diesen Ländern ist das Bildungsniveau in Deutschland natürlich schon recht gleich verteilt – so kommt bei der Messung des Bildungsstands von 25- bis 64-Jährigen im Jahr 2017 heraus, dass gut 95 Prozent der Bevölkerung mindestens zehn Jahre Schulbildung abgeschlossen haben; darüber hinaus hatten knapp 30 Prozent der Bevölkerung einen Hochschulabschluss (OECD, 2018). Die neuesten Statistiken zu der Aufnahme von Berufsausbildung und Studium zeigen zudem, dass die Zahl der Studierenden in Deutschland stetig wächst, sodass heute genauso viele Personen einen Hochschulabschluss anstreben wie eine Ausbildung (BMBF, 2018). Dies vermittelt das Bild, dass schon heute das Bildungsniveau der Bevölkerung in Deutschland auf einem Weg ist „gleicher“ zu werden (auch wenn zweifelsohne die Chancengerechtigkeit zunehmen muss – leider spielt in Deutschland der familiäre Hintergrund immer noch eine große Rolle dabei, welches der höchsterlangte Schulabschluss ist).

Angesichts der Wandlung des Arbeitsmarktes in Zeiten von Digitalisierung, Automatisierung und Globalisierung sind es gute Nachrichten für den Produktionsstandort Deutschland, dass das Bildungsniveau der gesamten Bevölkerung wächst und immer mehr Individuen einen Hochschulabschluss erwerben. Niemand weiß, wie die Arbeitswelt in 30 bis 50 Jahren aussehen wird. Es ist aber recht deutlich abzusehen, dass sich die Art der Arbeitsplätze verändern wird und vor allem Tätigkeiten zunehmen werden, die komplexer Wahrnehmung und sozialer sowie kreativer Intelligenz bedürfen sowie eine hohe Anpassungsfähigkeit der Individuen erfordern (Wößmann, 2017). Allgemeinbildende Bildungskonzepte, die die gesamte Bevölkerung erreichen und dazu führen, dass alle „das Lernen lernen“, werden der Gesellschaft helfen, die Herausforderungen des technologischen und strukturellen Wandels zu meistern.

Die Antwort stammt von Larissa Zierow, Stellvertretende Leiterin des ifo Zentrums für Bildungsökonomik


Referenzen
:

Bundesministerin für Bildung und Forschung – BMBF (2018). Berufsbildungsbericht 2018, Bonn.

Dabla-Norris, E., K. Kochhar, N. Suphaphiphat, F. Ricka und E. Tsounta (2015), »Causes and Consequences of Income Inequality: A Global Perspective«, IMF Staff Discussion Note 15/13, International Monetary Fund, Washington.

OECD (2018), Bildung auf einen Blick 2018: OECD-Indikatoren, wbv Media, Bielefeld.

Ostry, J. D., A. Berg und C. Tsangarides (2014), »Redistribution, Inequality, and Growth«, IMF Staff Discussion Note 14/02, International Monetary Fund, Washington

van Treeck, T. (2018): Das Ende der „trickle-down economics“: Ungleichheit als Wachstumsbremse und als Krisenursache?, ifo Schnelldienst 71(15), 3-5.

Wößmann, Ludger (2017). Wenn das Gleis zur Sackgasse wird. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.2.2017, S. 16.

Wie kann man Bildungsgerechtigkeit erreichen?

Um das zu beantworten, muss man zunächst klären, was unter Bildungsgerechtigkeit zu verstehen ist. Wenngleich ein breiter Konsens besteht, dass ein Bildungssystem gerecht sein soll, lässt sich nur schwer eine umfassende und einheitliche Definition dafür finden. Ich würde es so formulieren, auch wenn das eine normative Setzung ist: Bildungsgerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle die gleichen Bildungsergebnisse erzielen. Das ist weder wünschenswert noch realisierbar. Es geht vielmehr darum, allen Bildungsteilnehmerinnen und -teilnehmern vergleichbare Chancen zu bieten und niemanden aufgrund von Merkmalen, die einem mitgegeben werden, auszuschließen oder zu benachteiligen. Zu diesen Merkmalen zählt zum Beispiel die soziale Herkunft.

Ursachen für ungleiche Chancen des Bildungserwerbs liegen zum einen außerhalb des Bildungssystems. Kinder und Jugendliche werden zum Beispiel von ihren Familien ganz unterschiedlich gefördert und unterstützt. Diese Bedingungen lassen sich nur schwer beeinflussen. Wir finden Ursachen von Ungleichheiten aber auch innerhalb des Bildungssystems, in den schulischen Institutionen. Hier sind strukturelle Anpassungen möglich, die dazu beitragen, Bildungsbarrieren abzubauen und Entwicklungschancen herzustellen. Es gilt beispielsweise, an der Durchlässigkeit im Bildungssystem anzusetzen und Bildungswege zu flexibilisieren.

Zudem kann man von Bildungsgerechtigkeit sprechen, wenn im Bildungssystem alle Teilnehmenden optimal gemäß ihrer individuellen Bedarfe und Möglichkeiten gefördert werden. Jedoch: Eine solche passgenaue Förderung kann dazu führen, dass sich die Unterschiede in den Bildungsergebnissen noch verstärken. Denn Kinder und Jugendliche aus begünstigteren Familien profitieren davon mehr als solche aus sozial schwächeren, bei denen die zusätzliche familiäre Unterstützung nicht so stark ausfällt. Doch diese Spreizung ist ein politisch vielleicht unerwünschter, aber eventuell hinzunehmender Effekt. Schließlich verbessert eine individuelle Förderung die Bildungsergebnisse aller. Ob damit nun Bildungsgerechtigkeit erreicht wird, bleibt aber eine normative Ermessensfrage.

 

Die Antwort stammt von Kai Maaz, Direktor der Abteilung „Struktur und Steuerung des Bildungswesens“ am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Bildungssysteme und Gesellschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Was macht die Leibniz-Gemeinschaft, um das Interesse an MINT-Berufen zu erhöhen?

Zur Förderung des Interesses an MINT-Berufen – MINT steht als Abkürzung für Mathematik, Naturwissenschaften, Technik – gibt es eine Reihe von Aktivitäten. Die Leibniz-Gemeinschaft selbst ist Mitglied im Nationalen MINT-Forum, das sich zum Ziel gesetzt hat, MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette zu fördern und das Bewusstsein für die Bedeutung dieser Kompetenzen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu stärken.

Inhaltlich gibt es bei der Leibniz-Gemeinschaft viele Institute, die im MINT-Bereich arbeiten und durch „Vorfeld-Aktivitäten“ wie Girls‘ Day, Langen Nächten über Tage der offenen Tür informieren sowie vom Schüler- und Studentenpraktika bis zu Doktorandenstellen an allen Stufen einer MINT-Ausbildungskarriere Angebote machen. Das gilt im übrigen auch für nicht-akademische Karrieren in Form von Berufsausbildungen.

Zusätzlich gibt es in der Bildungsforschung – v.a. am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel – Forschung zur MINT-Bildung.

Die Antwort stammt von Christoph Herbort von Loeper, stellvertretender Leiter des Referates Kommunikation der Leibniz-Gemeinschaft.

Wie bringen wir unseren Kindern bei, dass sie die Zukunft gestalten dürfen, die sie wollen?

Eine Fragestellung, die sich nicht einfach beantworten lässt, denn mir als Erziehungswissenschaftler stellen sich dabei viele weitere Fragen: 1. Wollen wir wirklich, dass Kinder die Zukunft nur so gestalten, wie sie wollen? Wollen wir sie nicht auch für bestimmte Ziele gewinnen, etwa die Achtung der Menschenwürde oder eine nachhaltige Lebensführung? 2. Was genau soll man den Kindern beibringen – eine freie, offene und selbstbewusste Haltung, die Bereitschaft, an gesellschaftlichen Entwicklungen teilzuhaben, oder auch verschiedene, dazu notwendige Fähigkeiten?  3. Ist es überhaupt sinnvoll, nach Techniken zu suchen, um von uns ausgehend etwas beizubringen, wenn man eigentlich ein eigenständiges Handeln der Kinder ermöglichen möchte? 4. Und schließlich: Wer ist das „Wir“?  Wir Eltern, professionelle Pädagogen, oder die Gesellschaft als Ganzes?

Diese Fragen zeigen zunächst, dass Freiheit als Bildungsziel nichts Feststehendes ist und in einem Spannungsfeld zwischen individueller Entfaltung und gesellschaftlicher Verantwortung steht. Erziehung ist grundsätzlich ein Eingriff in die Freiheit der Kinder und Jugendlichen, zugleich schafft sie erst die Voraussetzungen dafür, dass Menschen mündig handeln können. Ich kann daher zunächst nur antworten, dass es hier immer wieder gilt, neue Lösungen zu suchen und auszuhandeln. Konkret: In Familien, Kindergärten, Schulen und bei der staatlichen Bildungsplanung muss stets aufs Neue das richtige Verhältnis von Persönlichkeitsbildung, moralischer Erziehung und Förderung von Fähigkeiten aller Art gefunden werden. Und es gilt, die jeweils wirksamsten Methoden und Orte für das Lehren und Lernen zu wählen.

Abschließend möchte ich auf die Bedeutung fachübergreifender Kompetenzen hinweisen. In einer sich rasant wandelnden Lebens- und Arbeitswelt reicht es nicht aus, einen Wissensvorrat aufzubauen; man muss  allgemeinere Fähigkeiten entwickeln, um die Zukunft gestalten zu können. Zu solchen „Schlüsselqualifikationen“ würde ich auf jeden Fall das Lesen zählen. Wenn Sie also Ihren Kindern das Lesen näherbringen, kommen Sie nicht nur über Lebensentwürfe und Zukunftsfragen ins Gespräch, sondern liefern den Kindern das wichtigste Werkzeug, das sie brauchen, um ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können.

Die Antwort stammt von Eckhard Klieme, Direktor der Abteilung „Bildungsqualität und Evaluation“ am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Professor für Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Wie kann ich mein Kind motivieren, sein Instrument wirklich zu üben?

Damit Kinder – und übrigens auch Erwachsene – motiviert sind, etwas zu lernen oder zu üben, sind eine Reihe von Faktoren wichtig. Kinder möchten das Gefühl haben, etwas gut zu können und sich zu verbessern. Gleichzeitig möchten sie eigene Entscheidungen treffen dürfen. Beides fördert den Spaß am Üben, genau wie das Einbinden in einen sozialen Kontext.

Die Erfüllung dieser Bedürfnisse können Eltern gemeinsam mit der Instrumentenlehrer*in unterstützen. Erfolgserlebnisse werden möglich, wenn das Schwierigkeitsniveau die Kinder heraus-, aber nicht überfordert. Kinder sollten gezielte Rückmeldungen bekommen, die ihnen zeigen, dass ihnen etwas zugetraut wird, womit kein Loben unabhängig von der Leistung gemeint ist. Eltern und Lehrkräfte sollten die Vorlieben und Meinungen der Kinder miteinbeziehen, was von der Auswahl des Instruments oder des Stücks bis hin zur Art, Technik oder Zeit des Übens reichen kann. Über Zuhören oder sogar Mitspielen kann man das Lernen oder Üben in einen sozialen Rahmen einbetten und den Kindern Wertschätzung zeigen. Eltern sollten ihren Kindern außerdem vermitteln, wozu sie üben – etwa für die Gemeinschaftserlebnisse, zum Entspannen oder für mögliche berufliche Perspektiven.

Die Antwort stammt von Katrin Rakoczy, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation und Professorin für Pädagogische Psychologie an der HSD – University of Applied Sciences, Köln

Gibt es Querverbindungen zwischen Leibniz-Gemeinschaft und Leibniz-Sozietät?

Nein, zwischen der Leibniz-Gemeinschaft und der Leibniz-Sozietät existieren keine institutionellen Verbindungen.

Die Antwort stammt von Christoph Herbort von Loeper, stellvertretender Leiter des Referates für Kommunikation der Leibniz-Gemeinschaft.