Wir suchen Antworten auf die
Herausforderungen des Lebens.

Ob besser lernen, das Klima schützen oder gesund altern – in der Leibniz-Gemeinschaft erforschen wir Themen, die der Gesellschaft nutzen.

Frag Leibniz

Welche Forschungsfrage würden Sie einer Wissenschaftlerin oder einem Wissenschaftler gerne stellen? Jetzt mitmachen und 8 x 2 Tickets für unsere Forschungsmuseen gewinnen.

Diese Forschungsfragen haben Sie uns bereits gestellt:

Ist bei immer stärkerer Digitalisierung der öffentlichen Netze ein ausreichender Schutz der Kommunikation im Bereich der Versorger, der Ordnungs- und Hifskräfte (z.B Notruf) und im Verteidigungsbereich gewährleistet?

Zunächst ist unklar, was mit dem Begriff „ausreichender Schutz“  gemeint ist. Eine denkbare Interpretation ist die Verfügbarkeit der Ressourcen, um zu kommunizieren, eine andere ob die Kommunikation gegen Manipulation bzw. Mithören geschützt ist (IT-Sicherheit).

Verfügbarkeit:

Die Art der Kommunikation – also analog oder digital – hat auf die verfügbaren Ressourcen grundsätzlich keinen Einfluss. Entscheidend ist, ob z.B. für Notrufe entsprechende Kapazitäten reserviert werden. Wenn dieses getan wird,  können alle notwendigen Verbindungen aufgebaut und bedient werden. Die Frage, ob solche Reservierungen in öffentlichen IP (Internet Protocol) basierten Netzen gestattet werden sollen, wird aktuell diskutiert. Einerseits sollen im Internet alle Datenströme gleichartig behandelt werden, andererseits gibt es den berechtigten Wunsch, einige Dienste vorrangig zu behandeln. Letzteres erscheint durchaus sinnvoll und wird sich wahrscheinlich zumindest mittelfristig durchsetzen.

Zusätzlich zur Nutzung der öffentlichen Netze betreibt das Innenministerium die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – kurz BDBOS. Das BDBOS betreibt zusammen mit Bund und Ländern ein einheitliches digitales Funknetz für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in Deutschland, z.B. Polizei, Feuerwehr und THW. Dieses Netz bietet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und wird parallel zur Infrastruktur der öffentlichen Netze betrieben.

IT-Sicherheit:

Digitale Kommunikation lässt sich deutlich leichter verschlüsseln als analoge und damit gegen unerlaubtes Mithören und Manipulation schützen. Hier bietet die Digitalisierung also erhebliche Vorteile.

Die Antwort stammt von Steffen Ortmann und Peter Langendörfer, beide Experten im Bereich Sensor-Netzwerke und Middleware-Plattformen am Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP).

 

Wird es bald noch mehr elektronische Geräte wie Smartphones geben?

Smart Phones sind extrem universelle Geräte, die viele Funktionen von früher separaten Geräten übernommen haben. Ich denke, dass die Konzentration weiterer Funktionen im Smart-Phone weitergehen wird. So wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Funktion der Kreditkarte sowie die Funktion des Auto- und Hausschlüssels in das Smart-Phone wandern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Zukunft andere Formfaktoren für Smartphones gibt. So muss z.B. das Gerät nicht wie heute aus einer Einheit bestehen, sondern die Display-Funktion, die Audio-Funktion und die Bedienelemente können getrennt werden. So eine Tendenz sieht man beispielsweise bei den heute noch sehr experimentellen Varianten von Smart-Glasses. Es könnte also eine Art „verteiltes“ Smart-Phone entstehen.

Ich glaube allerdings nicht daran, dass es noch weitere so universelle Geräte wie das Smart-Phone geben wird. Für den menschlichen Benutzer ist es ja ein großer Vorteil, so viel Funktionalität wie möglich auf kleinem Raum und mit wenig Gewicht zu bündeln.

Die Antwort stammt von Rolf Kraemer, Abteilungsleiter System Design am Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP).

Welche Wirkungen sind davon zu erwarten, dass 10 Millionen Bürger*innen (laut Stiftung Digitale Chancen) vom digitalen Wandel ausgeschlossen sind?

Chatten, E-Mails versenden, Informationen auf Webseiten suchen, Online-Banking oder Online-Shopping? Für viele jüngere Menschen ist das selbstverständlich. Doch anderen Bevölkerungsgruppen droht mit der zunehmenden Digitalisierung der Ausschluss von zahlreichen Kommunikations-, Informations-, Unterhaltungs- und Transaktionsmöglichkeiten. Studienergebnisse zeigen, dass ältere Bevölkerungsschichten das Internet deutlich weniger nutzen. Auch ist eine Schere zwischen den Bildungsgraden erkennbar. Personen mit einem niedrigeren Bildungsstatus nutzen digitale Angebote deutlich seltener und auch Frauen nutzen das Internet weniger als Männer (D21 Digital Index 2017/2018).

Die Unterschiede in dem Zugang zu und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, werden unter den Begriffen digitale Kluft („digital gap“) oder digitale Spaltung („digital divide“) diskutiert. Es wird davon ausgegangen, dass der Zugang zum Internet mit besseren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Chancen einhergeht. Immer mehr Lebensbereiche werden heutzutage digital gestaltet, sei es in der Wirtschaft und Berufswelt, in Bildung und Wissenschaft, in den Medien oder in Politik und Verwaltung. So beeinflusst die Digitalisierung die Art der Kommunikation, das Lernen und Arbeiten ebenso wie das Konsum- und Freizeitverhalten. Für die Kommunikation mit Freunden und Familie nutzen zwei Drittel der Deutschen soziale Medien. Dieses Beispiel zeigt, wie sich die neuen Kommunikationsformen unter anderem auf das soziale Miteinander auswirken. Der digitale Wandel wirkt sich aber nicht nur auf das soziale Miteinander aus, sondern auch auf das berufliche und politische Leben. So sind Menschen ohne Zugang zum Internet aus wichtigen Teilen der gesellschaftlichen Kommunikation ausgeschlossen. Auch wird argumentiert, dass Menschen mit dem Zugang sowie dem Wissen und der Fähigkeit, digitale Technologie zu nutzen, mehr Möglichkeiten haben, um beispielsweise berufliche Kontakte zu knüpfen oder Wissensressourcen abzurufen. Es wird auch davon ausgegangen, dass Minderheiten und Randgruppen wie beispielweise Migranten und Geflüchtete durch die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien einen besseren Zugang zu Informationen und Anbindung an die Gesellschaft finden können (Díaz Andrade und Doolin 2016).

Obwohl die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien viele neue Chancen mit sich bringt, können gleichzeitig auch negative Effekte auftreten. Daher sind Digitalkompetenzen wichtig, beispielsweise zur Einschätzung von Informationen im Internet, um kommerzielle oder falsche Inhalte zu identifizieren. Auch haben wissenschaftliche Studien vielfältige negative Auswirkungen bestätigt, die Internetnutzer empfinden können: von einem gesteigerten Neidempfinden bei der Nutzung von sozialen Medien bis hin zu psychischen Folgen, welche durch suchtähnliches Internet-Nutzungsverhalten hervorgerufen werden können (Krasnova et al. 2015).

Die Antwort stammt von Antonia Köster, Leiterin der Forschungsgruppe „Digitale Integration“ am Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. Das Weizenbaum-Istitut wird koordiniert vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), einem Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Quellen:

  1. Initiative D21 e. V. (2018/2019) D21-Digital-Index: Jährliches Lagebild zur Digitalen Gesellschaft
  2. Antonio Diaz Andrade, Bill Doolin (2016) “Information and Communication Technology and the Social Inclusion of Refugees”, Management Information Systems Quarterly
  3. Krasnova, H., Widjaja, T., Buxmann, P., Wenninger, H., Benbasat, I. (2015) “Research Note – Why Following Friends Can Hurt You: An Exploratory Investigation of the Effects of Envy on Social Networking Sites among College-Age Users”, Information Systems Research
Wie kann man das Wissen der Welt/der Menschheit dauerhaft so archivieren, dass es auch noch Jahrhunderte später abrufbar und verständlich ist? bzw. Wie kann Wissen am effizientesten gespeichert und konserviert werden?

Zu beiden Fragen gemeinsam ist zu sagen: Das Wissen der Welt / der Menschheit ist sehr differenziert zu betrachten. Es reicht von Erfahrungen, die die Menschen in Papua-Neuguinea, die quasi noch in der Steinzeit leben, an ihre Kinder und Enkel mündlich weitergeben, bis zu umfangreichen digitalen Datenbeständen aus der Klimaforschung oder aus anderen technisch orientierten Fächern der Wissenschaft. Wissen hat viele Facetten, die von Fach zu Fach sehr unterschiedlich sind, und es gibt noch mehr Speicher, auf denen Wissen abgelegt ist. Hier reicht das Spektrum von alten Papyrusrollen z. B. in der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin, über Massenschrifttum ab Mitte des 19ten Jahrhunderts bis zu komplexen elektronischen Datenbeständen z. B. des RatSWD.

Daher ist die Frage 1. dazu, wie man das Wissen archivieren kann, nicht so einfach zu beantworten. Je nachdem, welche Möglichkeiten und welche Inhalte eine Gedächtnisorganisation hat, kommen viele Wege in Frage. So können mittelalterliche Schriften, die oft wunderbar verziert sind, im Original erhalten werden über eine Restauration und sie müssen dann vor Schäden in der Benutzung geschützt und in klimatisch besonders ausgestatteten Räumlichkeiten gelagert werden. Um die Original zu schonen, können digitale Kopien erstellt werden, die dann über Verfahren der digitalen Langzeitarchivierung digital erhalten werden können. Bei Massenschrifttum ab den 40er Jahren des 19ten Jahrhunderts kann es ausreichen, die Werke zu digitalisieren und die digitalen Kopien über die digitale Langzeitarchivierung zu erhalten. Für weniger zentrale Werke, deren inhaltlicher Wert nicht so groß ist, dass die Verfügbarkeit in elektronischer Form wichtig ist, reicht auch eine Entsäuerung des Papiers. Digitale Forschungsdaten müssen der digitalen Langzeitarchivierung unterzogen werden, sonst veralten Formate, die Software zum Lesen, die Betriebssystem usw. und die Daten können nicht mehr ausgelesen werden. Es gibt kein Verfahren, was alle denkbaren Arten von Wissen und alle Medientypen behandelt, die es weltweit gibt. Es müssen immer eigene Lösungen erarbeitet werden.

Zu Frage 2. ist daher zu sagen, dass die Frage nach der Effizienz stark von der Aufgabe der Gedächtnisorganisation abhängt, die dieses Wissen speichert: Schon aus Kostengründen wird man jeweils das machen können, was man sich leisten kann. „Die“ effektive Methode der Speicherung und der Konservierung gibt es daher auch nicht.

Die Antwort stammt von Monika Zarnitz, Leiterin des Programmbereichs Benutzungsdienste und Bestandserhaltung am ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Gibt es in Zukunft noch Print-Medien? Wie kann man sie ersetzen?


1. Es kommt darauf an, über welchen Zeitraum wir sprechen

Auf sehr lange Sicht werden Print-Medien weitgehend verschwinden und ersetzt durch elektronische Medien, vorerst elektronische Versionen der Printmedien. Wenn sie verschwinden, dann nicht aufgrund von Verboten, sondern weil sie nicht mehr profitabel sind. Und nicht mehr profitabel werden sie, wenn diejenigen, die an ihnen bisher so interessiert sind, dass sie dafür ihr Geld ausgeben, die interessierenden Inhalte leichter oder preiswerter ohne Papier bekommen und sie leichter und angenehmer nutzen können.

Die Vervielfältigung von Printmedien ist schon heute teurer als die elektronische Vervielfältigung der gleichen Inhalte.
Hinzu kommt die  Verbreitung, also die Zustellung zu den Leserinnen und Lesern, sei es mit der Post, über den Zeitschriftenhandel, den Buchhandel oder über Bibliotheken. Für die Zustellung von Zeitschriften, Zeitungen und Briefen gelten bei der Post bisher besonders günstigere Konditionen als für Briefe mit gleichem Gewicht. Es ist aber ungewiss, wie lange das so bleiben wird.

Trotz der höheren Vervielfältigungs- und Vertriebskosten gibt es die Printmedien immer noch. Es gibt also weitere Kriterien. Eine davon ist die Gewohnheit: viele Menschen sind es (noch) nicht gewohnt, die Inhalte von Printmedien (Bücher, Zeitschriften, Zeitungen) elektronisch zu nutzen. Sie bevorzugen die Printmedien u. a. deshalb, weil sie die Medien überall hin mitnehmen, mit anderen teilen und ohne technisches Gerät nutzen und leicht entsorgen können  (weil es fast überall „Papierkörbe“ gibt).

2. Es kommt darauf an, über welche Printmedien wir sprechen.

Als stärksten betrifft es die Zeitschriften. Fachzeitschriften werden wohl am schnellsten als Printmedien verschwinden, weil für die berufliche Nutzung der schnelle Zugriff über das Netz ein Vorteil ist gegenüber der Ausleihe aus einer Bibliothek. Es gibt bereits Fachzeitschriften, die nur noch elektronisch erscheinen, ganz ohne eine Printausgabe.
Auch bei Publikumszeitschriften gibt es einen Trend zur Verbreitung der gleichen Inhalte über das Internet. Zum Beispiel wird die ADAC-Mitgliederzeitschrift, eine der auflagenstärksten Zeitschriften in Deutschland, den Mitgliedern wahlweise nicht mehr als Printmedium, sondern elektronisch zugestellt. Das US-Nachrichtenmagazin Newsweek wurde 2013 gar nicht mehr als Printmedium, sondern nur noch elektronisch verbreitet. Dies war jedoch wirtschaftlich ein Misserfolg, so dass Newsweek seit 2014 auch wieder als Printmedien erscheint.

Zeitungen werden das nächste Printmedium sein, das nach und nach verschwindet. Die Druck- und Vertriebskosten sind hoch, andererseits werden die Haushalte kleiner, so dass sich häufig nicht mehrere Personen ein Zeitungsabonnement die Nutzung und die Kosten teilen, sondern diese Kosten von einer einzelnen Person getragen werden müssen. Ein Beispiel für den starken Zuwachs der Online-Verbreitung von Zeitungen ist die New York Times. Sie hatte Ende 2018 noch etwa 900.000 Print-Abonnenten, aber rund 3,4 Mio. Digital-Only-Abonnenten.

Auch bei Büchern ist es sehr verbreitet, dass sie gleichzeitig als Print-Ausgabe und als E-Book erscheinen. Hier scheinen sich die Gewohnheiten der Leserinnen und Leser aber erst allmählich zu verändern. Wenn aber der Absatz von gedruckten Büchern stärker zurückgeht, kann es zu einem Kreislauf kommen, in dem immer mehr Buchhandlungen geschlossen werden, der direkte Zugang der möglichen Kundschaft zum vielfältigen Buchangangebot eingeschränkt wird und damit der Absatz gedruckter weiter sinkt und damit E-Books schneller an Bedeutung gewinnen.

Vornehmlich bei Schulbüchern ist anzunehmen, dass sie für die Unterrichtung der jüngeren Kinder noch sehr lange Bestand haben werden. Das mag außerdem für regional oder lokal verbreitete Wurfsendungen wie Prospekte gelten, die versuchen, auch Leserinnen und Leser zu erreichen, die nicht bewusst nach Inhalten mit kommerzieller (oder politischer) Werbung suchen, bei denen es sich aber bis auf weiteres lohnt, sie damit zu konfrontieren. Auch hier werden letztlich die Verbreitungskosten des ausschlaggebende Faktor sein.

Die Antwort stammt von Hermann-Dieter Schröder, Senior Researcher Medienwirtschaft & Medienorganisation am Leibniz-Institut für Medienforschung, Hans-Bredow-Institut (HBI).